Das e-book der Spielorte

 
 

Die Geschichte der französischen Kulturpolitik


Pôle Sud © David Betzinger (13)Die Schaffung des Kulturministeriums 1959 ging mit dem Anliegen von Kulturminister André Malraux einher, eine neue staatliche Kulturpolitik in Frankreich umzusetzen. Diese Politik war auf die Entwicklung des kulturellen Lebens der Nation ausgerichtet. Mit dem Ziel einer Dezentralisierung von Kultur – jenseits von Paris als dem historisch dominanten kulturellen Zentrum Frankreichs – wurden schrittweise Kultureinrichtungen in den Regionen geschaffen, insbesondere im Zuge lokaler Wahlen von 1977, aus denen zahlreiche Bürgermeister hervorgingen, die sich für die Umsetzung dieser Kulturpolitik stark gemacht hatten und dafür gewählt worden waren.
Ab Mitte der 1980er Jahre setzten sich zunächst die Départements mit der kulturellen Frage auseinander, nachdem die nach Deffere benannten Gesetze (les lois Deferre) ihnen neue Kompetenzen übertragen hatten. Von 2004 an hatte die administrative Umstrukturierung der Regionen zur Folge, dass letztere sich im Verbund mit den Städten, den Departements und dem Staat dieser Aufgabe annahmen. Mittlerweile stellt die territoriale Neuordnung einige kulturelle Einrichtungen in den Gemeinde- oder Agglomerationsverbänden (« Communautés de Communes », bzw. « d’Agglomérations ») vor neue Anforderungen.

Mit dieser historischen Entwicklung geht das Entstehen von rund fünfzig institutionellen Labels und landesweiten Netzwerken für kulturelle Einrichtungen einher, dank steigenden Investitionen seitens des französischen Staates und der territorialen Gemeinwesen (Städte, Departements und Regionen) zugunsten der Darstellenden Künste. Unter jedem Label oder Netzwerk lassen sich unterschiedlich viele Einrichtungen einordnen, deren Zahl sich je nach den für die territoriale Gestaltung erbrachten Leistungen weiterentwickelt hat.



Die Region Elsass


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Parlement européen © ACADie Region Elsass im Osten Frankreichs hat durch eine deutliche Unterstützung für Künstler und die Schaffung von Spielorten starke politische Maßnahmen entwickelt. Das macht das Elsass heute zu einem fruchtbaren Boden für vielfältige künstlerische Formen.
Der « Agence culturelle d’Alsace » (ACA), die sich auf der Schnittstelle zwischen den Kultur- und Kunstschaffenden und den politischen Amtsträgern verortet, ist es ein Anliegen, über diese Besonderheit zu informieren. Deshalb hat sie ein Instrument für die Vermittlung und Verbreitung von Kunstprojekten und möglichen Zusammenarbeiten entwickelt: Das e-book der Spielorte.



Das e-book der Spielorte


Pôle Sud © David BetzingerDabei handelt es sich um ein praktisches elektronisches Instrument, das die 93 verschiedenen Bühnen des Elsass vorstellt. Es richtet sich an alle professionellen Theatermacher, die ihre Inszenierungen im Elsass zeigen wollen, sowie an Kultureinrichtungen, die eine grenzübergreifende Zusammenarbeit anstreben. Es zeigt die geographische Verteilung der Spielorte auf. Es ermöglicht eine umfassende Einschätzung, inwiefern eine Inszenierung oder ein Projekt dem künstlerischen Profil und den technischen Bedingungen eines Spielortes entsprechen. Die Website lässt sich außerdem nach den institutionellen Labels der Einrichtungen und den professionellen Netzwerken, in denen die elsässischen Spielorte organisiert sind, ordnen. Alle zwei Jahre wird dieses Instrument auf den neuesten Stand gebracht.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den 36 Spielorten, die dem von der « Agence culturelle d’Alsace » geleiteten Netzwerk « Les Régionales » angehören. Sie werden mit virtuellen Ortsbesichtigungen oder Fotoreportagen besonders vorgestellt.



Die Agence culturelle d’Alsace

Agence culturelle d'Alsace © David BetzingerDie « Agence culturelle d’Alsace » (ACA), 1976 gegründet, ist als Verein des örtlichen Rechts im Bereich der regionalen Kulturpolitik aktiv, in Ergänzung zu den Maßnahmen des Departements auf dem Gebiet der Darstellenden Künste, zeitgenössischen Kunst und des Films.
Im Dienst der kulturellen Gestaltung des Elsass fördert die « Agence culturelle d’Alsace » die transversale Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Trägern, Vereinen und professionellen Kunstschaffenden und leistet damit einen Beitrag zur territorialen Vernetzung und Strukturierung der verschiedenen künstlerischen Bereiche. Sie bietet im Sinne des öffentlichen Interesses und einer nachhaltigen Kooperation zwischen den Kulturschaffenden spezielle Lösungen an, die auf Künstler, ehrenamtliche und professionelle Veranstalter und politische Vertreter zugeschnitten sind.



Information für die deutschen Internetnutzer

Diese Übersetzung ist eine Zusammenfassung der französischen Version. Wir hoffen, damit einen ersten Einblick in die Spielorte und Vertriebsstrukturen unserer Theaterlandschaft zu schaffen. Alle Französisch sprechenden Leser und Leserinnen laden wir ein, sich mithilfe der französischen Fassung weiter zu informieren.